Der Liulichang ist ein Ort, an dem man besser zwei oder drei Mal hinsehen sollte. Es ist ein skurriler und paradoxer Handelsplatz für chinesische Kunst, der nicht leicht zu verstehen ist.

Zunächst muss man zwischen den Galerien unterscheiden. Denn es gibt solche, die fast ausschließlich Repliken und Touristenware verkaufen. Und es gibt solche, die vordergründig mit Repliken und Souvenirs handeln, allerdings hinter der Fassade ernsthaft gute Stücke haben. Und dann gibt es eine kleine Anzahl von Galerien, die fast ausschließlich gute Stücke handeln.
Es kann also sein, dass ein Händler vorne im Laden billige Andenken anbietet, hinten drin jedoch in verstaubten Regalen zwischen einer Fülle von Krimskrams eine gute Vase stehen hat, die vielleicht 7000,- Euro wert ist, für die er jedoch 10.000,- verlangt.
Das ist die nächste Tatsache, die dem westlichen Besucher etwas skurril anmutet: die Preispolitik. Der Punkt ist nicht, dass die chinesischen Händler gerne das drei-, vier- oder zehn-Fache des eigentliches Wertes verlangen, denn das kommt hierzulande ebenfalls vor. Entscheidend ist vielmehr, dass auf dem Liulichang Objekte von echtem Wert zwischen Kisten voll Gerümpel liegen, unter Zentimeter dicken Staubschichten begraben - ich übertreiben etwas, doch in der Tat fragt man sich bei manchen Händlern, ob sie z.B. Jaden im Wert von mehreren zehntausend Euro nicht unter etwas gepflegeteren Bedingungen lagern möchten.

Beim Thema Preise muss ich schlicht auf die viel beschworene Überhitzung der chinesischen Wirtschaft zurückkommen. Die Händler des Liulichang fackeln heutzutage nicht lange rum. Sie verlangen Preise, die gefühlt um ein Drittel höher liegen als das, was der internationale Markt hergibt. Und dann? Dann kann man kaufen oder eben nicht. Nach unten verhandelt wird nicht, zumindest nicht bei interessanten Objekten. Sie wissen, dass sie die Stücke an die Pekinger Kundschaft auch zu überzogenen Preisen verkaufen können. Wir reden von einem überhitzten Umfeld, in dem die Preise von gestern bei den Händlern heute nur mehr ein müdes Lächeln hervorrufen. Alle wissen, dass die Wirtschaft Chinas ständig wächst, eine dröhnende Erfolgsgeschichte, ein wahres Wirtschaftswunder. Unter diesen Umständen haben es die Händler kaum mehr nötig, zu handeln.
Ich denke, dass dieser Zustand nicht unaufhörlich so weiter gehen wird. Der Markt für antike chinesische Kunst wird von chinesischen Sammlern und Händlern getrieben, die momentan in anderen Sphären zu schweben scheinen, als der Rest der Welt. Aus meiner Sicht ist diese Entwicklung durchaus kritisch zu beurteilen.
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