Asian Art Blog - Museums Galleries Fairs Sales Education & People

Mittwoch, 17. Februar 2010

Feedback auf Asiatika-Ankauf!

Sehr geehrter Herr Spurny,

herzlichen Dank für Ihre interessante, ausführliche und sehr sachkundige
Antwort.

Ich habe via Mail wenige Personen bzw. „Institutionen“ angeschrieben,
von denen ich im Internet intuitiv den Eindruck hatte, dass ich auf
meine Frage zufriedenstellende Auskünfte bekommen würde.

Sie sind jedoch a) der Einzige mit großer Fachkenntnis, der sich b) die
Mühe machte, mir zu antworten und nicht „geifern“, die Figur zu
erwerben.

(...)

Ein Verkauf der Figur steht nicht zur Debatte. Das Wort „nie“ vermeide ich
tunlichst.

So wie in der TV-Serie „Kunst und Krempel“ wurde ich von Ihnen „schlau
gemacht“.

Dafür nochmals meinen Dank.

- - - - -
Über so ein Feedback freut man sich doch immer! Vielen Dank.

Montag, 15. Februar 2010

Kommentar zum vorangegangenen Beitrag: "...Marktumfeld für Antike Asiatische Kunst"

Aus Anlass eines anonymen Kommentars (Danke an dieser Stelle) hier einige Gedanken zur "Verunglimpfung des Kunstmarkts".

Aus dem Kommentar:
Ausserdem bleibt doch festzuhalten, dass meist nicht die Kunsthändler die betrüger sind, sondern die Auktionshäuser, die sich hinter dem Mantel der Einlieferer verstecken.
Schauen Sie selber auf den einschlägigen Internetseiten der Auktionshäuser, sie selbst werden feststellen, dass dort bewusst der Kunstmarkt verunglimpflicht wird.


Hierzu:
Es gibt in der Tat einige Auktionshäuser, die sich diese Kritik gefallen lassen müssen. Es sollen keine Namen genannt werden, doch in der Tat verkaufen einige Häuser (auch renomierte Namen) falsch datiert Objekte.

Sei es aus Absicht oder sei es, weil sie den falschen "Experten" vertrauen, für solche Häuser zählt im Grunde das schnelle Geld. Denn, das ist bekannt, niemand kann ein falsch gekauftes Objekt an die Auktionshäuser zurückgeben.

Eine Antiquität kann man nicht einfach konsumieren, wie etwa ein Paar Schuhe oder eine Handtasche. Man benötigt Fachwissen, das man sich entweder selbst erarbeitet oder bei dem man auf Experten vertraut.
Das wiederum, der Verlust der Leichtigkeit und des Vertrauens, wirkt sich schädlich auf den Handel mt antiker asiatischer Kunst aus. Darauf wollte der Beitrag unten hinaus, denke ich.

Jedes Auktionshaus, das falsch datierte Objekte anbietet, schadet dem Marktumfeld für Antike Asiatische Kunst, und letztlich sich selbst. - Doch leider ist es so, dass für einige der Asiatika-Bereich völlig einbrechen würde, wenn sie sich nurmehr auf authentische Objekte konzentrieren würden.

Sonntag, 14. Februar 2010

Der Einfluss von Repliken und Dekorativer Kunst auf das Marktumfeld für Antike Asiatische Kunst

In den vergangen Jahren hat sich der Markt für Asiatische Kunst und besonders für chinesische Antiquitäten stark gewandelt. Zum einen hat die Anzahl an Repliken, billigen Imitaten und Dekorationsartikeln erheblich zugenommen. Darüber hinaus sind diese Artikel aufgrund der Internationalisierung der Weltmärkte im heutigen, elektronischen Zeitalter nahezu überall verfügbar. Zum anderen gibt es immer mehr Unternehmen, welche die Trends und Geschmäcker im Interieur-Bereich bedienen.

Beispielsweise hat jede größere Stadt ein China-Einrichtungshaus, in dem allerlei Kunst und Kitsch verkauft wird – und eben auch frische Repliken der klassischen antiken Objekte Chinas, z.B. Porzellanvasen im Stil der Kangxi-Zeit, Buddhafiguren, die gezielt den Eindruck von Alter und Alterspatina erwecken sollen und dergleichen. Und gerade die Möbelimporteure fallen in diesem Zusammenhang auf. Sie lassen in China alte Möbelstücke restaurieren, die dort auf Touren durch ländliche Gegenden aufgekauft wurden. In restauriertem Zustand handelt es sich um recht ansehnliche Möbelstücke, die hierzulande ein Lifestyle-Gefühl von „Harmonie, China, Antik, Exotisch …“ bedienen.

Diese Trends wirken sich jedoch auch auf dem Markt für authentische antike Kunst Ostasiens aus. Denn jeder, der vor 20/30 Jahren ein antikes chinesisches Möbelstück oder eine schöne Porzellanvase suchte, kam durchaus als Kunde für den klassischen Kunst- und Antiquitätenhandel, für eine Galerie mit antiker asiatischer Kunst, in Frage.
Jemand, der allein nach dem Geschmack kauft, kann auch eine authentische Antiquität kaufen. Für manche "wertlose" Neuware wird mitunter sogar mehr bezahlt, als für ein authentisches Stück – vermutlich deshalb, weil den Käufern der Markt für antike asiatische Kunst einfach nicht zugänglich ist. Sie müssten gezielt nach spezialisierten Händlern suchen, tun es aber nicht, weil sie einfach nur ein schönes, dekoratives Objekt suchen, nicht explizit eine Antiquität. Daher greift der Einrichtungs- und Dekorationshandel diesen Kundenkreis ab.

Doch der Antiquitäten-Handel trägt eine große Mitverantwortung, wenn die Kunden lieber den China-Importeur aufsuchen, anstatt in der Antik-Galerie vorbeizuschauen. Denn wenn Antiquitäten-Händler mit bestem Wissen Preise verlangen, die jenseits von gut und böse sind, wenn sie den Leuten buchstäblich Schrott andrehen, dann braucht sich keiner zu wundern, dass kein Kunde ein zweites Mal kommt. Da haben es, um einmal Berlin als Beispiel zu wählen, die Händler an der Strasse des 17. Juni leicht – Denn wer Touristen das Geld aus der Tasche zieht (Preis vs. Qualität!?), der rechnet sowieso nicht damit, dass jemand ein zweites Mal kommt.

Wie dem auch sei, authentische asiatische Kunst bedeutet für viele Sammler mehr als nur ein Sammelgebiet, es ist eine Leidenschaft. Der Sammler ist oft ein wahrer Kenner seines Gebietes. Das Marktumfeld für antike asiatische Kunst verändert sich aufgrund der Internationalisierung und der Verstärkung von Trends im „Asiatika“-Handel dahingehend, das die Spezialisierung der Sammler bzw. der Käufer von authentischen Stücken zunimmt. Wenn diese Überlegung richtig ist, dann handelt es sich bei den Kunden des Marktes für antike asiatische Kunst zunehmend um einen internationalen, spezialisierten Kreis von Kennern, Liebhabern und Freunden der Ostasiatischen Kunst.
Man kann ja, um den Gedanken weiter zu spinnen, einmal gezielt Ausschau halten, mit welchen Mitteln die großen Auktionshäuser und Galerien versuchen, neue Kunden (jüngere Generationen) zu gewinnen...

Dienstag, 9. Februar 2010

Buddhistische Skulptur – Religion oder Kunst?

Für Kunstliebhaber und Freunde der buddhistischen Kunst sind antike Buddhafiguren beliebte und begehrte Sammelobjekte.

Für Buddhisten hingegen sind es religiöse Objekte. Deshalb werden Buddhafiguren z.B. im Gesicht bemalt und für den Hausaltar mit einem Tuch geschmückt oder in ein Gewand gehüllt. Ein Altarbuddha verkörpert den „Körper“ Buddhas – und dieser ist gleichbedeutend mit der Lehre des Buddhismus. Aus den Gründen der religiösen Verehrung gibt es schließlich auch „Reisebuddhas“ oder kleine „Reiseschreine“, in denen eine Buddhafigur sitzt.
Viele Buddhisten unterscheiden nicht zwischen antiken und neuen Buddhas. Für den religiösen Gebrauch zählt allein die Integrität. Eine antike Buddhafigur verliert ihre religiöse Integrität jedoch, wenn die Bodenplatte geöffnet wird. Selbst in den kleineren Buddhas, die in tibetischen und nepalesischen Stupas und Tempeln aufgestellt wurden und werden, befinden sich in der Regel kleine Schriftstücke mit religiösem Text. Gold bzw. Edelstein wurde von den Plünderern des 19.Jh zwar in den Buddhafiguren gesucht, befindet sich in der Regel jedoch nur in bedeutenderen Tempelbuddhas.

Eine antike buddhistische Figur erhält durch den religiösen Gebrauch einen besonderen „Wert“, wenn man das so nennen will. Beispielsweise wissen viele Sammler die Patina sehr zu schätzen bzw. die Stelle, an welcher die Figur täglich von den Gläubigen berührt wurde. Aber gerade bei buddhistischen Skulpturen aus Tempeln ist es sehr schön, wenn sie perfekt erhalten sind. Daran sieht man, dass es zu jeder Zeit Menschen gab, die sich um die Figur gekümmert haben und ihr Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Im Kunsthandel sieht das manchmal anders aus. Für Sammlungen buddhistischer Kunst mögen auch Buddhafiguren ohne Bodenplatte interessant sein, sofern sie antik sind. Doch die entscheidende Frage ist: Wo kommen die zahlreichen antiken Buddhafiguren her und wie wurden sie aus Tempeln und Stupas in Tibet, Nepal und China oder anderen buddhistischen Ländern heraus gebracht?
Einige der Figuren, die sich heute in privaten Sammlungen und auch in Museen befinden, wurden schlicht gewaltsam entwendet – man spricht von Kulturgüterraub. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen Nicht-Buddhisten einzelne Figuren mit Absicht beschädigt haben, z.B. durch umstoßen, um so in die Gelegenheit zu kommen, sie den Mönchen abkaufen zu können.

Es gibt also sehr große Unterschiede zwischen dem Blickwinkel „antike buddhistische Skulpturen als Kunstobjekte“ und „Buddhafiguren als religiöse Objekte“. Selbstverständlich hat beides seine Berechtigung.

Sonntag, 7. Februar 2010

Der Markt für asiatische Kunst in China – Welche Rolle spielt die chinesische Tradition des „Nachahmens und Imitierens“?

Im Reich der Mitte ist der Markt für chinesische Antiquitäten weitaus unübersichtlicher als her in Europa. Dies liegt nicht allein an der Tiefe und Allgegenwärtigkeit der chinesischen Kultur. Es hat auch mit Vertrauen zu tun und nicht zuletzt mit chinesischen Traditionen im Umgang mit Kulturobjekten.

Dass in China buchstäblich zahllose Repliken von antiken Objekten angefertigt werden, beziehungsweise vermeintlich antike Objekte durch Kombination verschiedener Stile und Dekore neu „erfunden“ (also gefälscht) werden, wirkt sich nicht nur auf die Art und die Anzahl der am Markt verfügbaren Objekte aus, sondern es hat auch weit reichende Konsequenzen, die den Umgang mit chinesischer Kunst betreffen.

Gemeinhin wird in der Kunstwissenschaft etwa folgende Meinungen vertreten: „Die Kunst des Fälschens hat in China eine lange Tradition“ oder „Das Kopieren und Nachahmen von Vorbildern unterstreicht in China die Wertschätzung des Meisters, des Originals oder des historischen Zeitraums, welchen die Replik adressiert“ – Eine Fälschung in unserem westlichen Verständnis ist in China demnach also keine „Fälschung“. Aber was bedeutet das denn für den Kunstmarkt? Welche Konsequenzen hat dies für den Sammler antiker asiatischer Kunst?

Diese Fragen können sicherlich von unterschiedlichen Blickwinkeln her beantwortet werden. Ich nenne hier nur einige Aspekte:
Die Selbstverständlichkeit von Reproduktionen und „Nachahmungen“ wirkt sich in China auf die Wahrnehmung antiker Kunst aus. Z.B. werden in China antike Buddha-Figuren gehandelt, bei denen die Vergoldung rundum erneuert wurde. Das ist in europäischen Augen selbstverständlich unangenehm. Denn wenn beispielsweise bei einem Bronze Buddha aus der Ming-Dynastie die Vergoldung neu gemacht wurde, geht der Charme der Authentizität verloren, oder nicht?
Eine weitere Konsequenz ist, dass man in China zum Teil auch Repliken sammelt. Würden Sie beispielsweise einen Weihrauchbrenner aus Bronze oder Jade kaufen, wenn im Siegel steht: „Da Qing Qian Long Fang Gu“ (Replik (im Stil von Objekten) aus der Zeit Kaisers Qian Long der großen Qing-Dynastie)? Wenn die Replik aus dem 19.Jahrhuundert stammt, warum denn eigentlich nicht?

Das sind zwei Beispiele, an denen man Unterschiede im Ungang mit antiken Kunstobjekten zwischen China und Deutschland (bzw. „dem Westen“) sehen kann.

Welchen Ruf haben chinesische Auktionshäuser auf dem internationalen Kunstmarkt?

Die großen Namen auf dem Auktionsmarkt für antike chinesische Kunst in China lauten etwa Han Hai, CGuardian (Jia De) oder China Poly Group (Bao Li) in Peking. Diese Auktionshäuser verkaufen hochwertige antike chinesische Kunst in hohen Mengen. Doch welchen Ruf genießen diese Häuser? Kann ich als Käufer den Angaben und Datierungen dieser Auktionshäuser vertrauen?

Das sind spannende Fragen – und ich würde sie nicht stellen, wenn sie einfach zu beantworten wären. Wenn Sie überlegen, wem Sie eher vertrauen, der Expertise von Han Hai oder der von beispielsweise Christie´s in London, dann müssten Sie eigentlich anerkennen, dass die tiefste Kenntnis für chinesische Antiquitäten in China selbst vorhanden ist. Doch fühlt es sich wohler an, einer handfesten Aussage eines internationalen Experten von Christie´s zu vertrauen als der eines chinesischen Experten, oder nicht? Hier streife ich das subtile Feld der gegenseitigen interkulturellen Wahrnehmung zwischen „uns“ (dem „Westen“) und „China“.

Für mich stellt sich hier die Frage der Bewertung der Provenienz. Wenn ein Objekt eine Provenienz hat wie z.B. „bei Han Hai 2006 erworben für …“, was kann man damit anfangen? Ist das dasselbe wie etwa „Erworben beim Auktionshaus Nagel in 2006 für …“?

Ich denke, es ist in der Tat eine wichtige Frage, welchen „Wert“ die Provenienz hat, wenn es sich um ein Auktionshaus in China handelt oder eines der renommierten Auktionshäuser in Europa. Hier muss man allerdings beachten, dass es für den westlichen Markt ein wesentliches „Alleinstellungsmerkmal“ ist, immer wieder einzigartige chinesische Antiquitäten anbieten zu können, die vor vielen Jahren in Zeiten kolonialer Machtspiele aus China ausgeführt wurden. Das sind zum Teil Objekte, die von chinesischen Auktionshäusern nur schwer akquiriert werden können.

Montag, 1. Februar 2010

Die „persönliche“ Bedeutung der Objekte – der Sammelwert!

Alle Sammler und Besitzer von Objekten aus Asien wissen, dass sich der Markt für Asiatika in den vergangenen Jahren stark verändert hat.
Wenn jemand z.B. in den 1960ern/1970ern einige interessante Objekte von einer Asienreise mitgebracht hat, mögen es durchaus besondere Objekte gewesen sein. Heute allerdings wird der internationale Markt derart mit allerlei Kunst und Antiquitäten aus Asien (China, Tibet, Thailand usw.) überschwemmt, dass Sie hunderte von Objekten mühelos finden können, die vor 30-40 Jahren nur auf einer spannenden Reise auffindbar gewesen sind. Im heutigen Marktumfeld mögen diese Objekte kaum einen Wert haben, wenngleich der „gefühlte“ Wert für den Besitzer recht groß sein kann.

Jeder, der über Jahrzehnte bestimmte Objekte um sich hatte, hat eine persönliche Bindung an diese Objekte entwickelt. Das Kunstobjekt hat dann eine persönliche Bedeutung, die nicht in Geld gemessen werden kann. Doch diese persönliche Bedeutung besteht nur für den Besitzer. Der persönliche Wert eines Objekts kann von keinem „übernommen“ werden. Man kann diese „Bindung“ an das Objekt nicht vererben, verschenken oder verkaufen.

Jeder, der ein Objekt verkaufen möchte, sollte sich daher bewusst machen, dass ein Verkauf auch eine „emotionale“ Trennung ist. Selbstverständlich freut man sich, wenn man einen neuen Besitzer findet, der das Objekt in gleicher Weise zu schätzen weiß, wie man selbst. Doch wenn ein Objekt dem Markt zugeführt wird, dann wird es ganz schlicht anhand seines „Marktwertes“ beurteilt. Der Sammelwert, die persönliche Bedeutung, die Geschichte, die der Besitzer damit verbindet, geht verloren – bis wieder von neuem eine persönliche Verbindung zwischen dem Objekt und einem neuen Besitzer beginnt.