Lassen Sie mich nicht etwa mit der viel beschworenen Überhitzung der chinesischen Wirtschaft anfangen, sondern einfach damit, dass ich gerade von einer spannenden Reise ins Reich der Mitte zurück komme, und es mir als Sinologe doch erlauben möchte, ein paar Sätze darüber zu verlieren.
Was die Antiquitäten betrifft, so werde ich zwei oder drei separate Artikel schreiben. Wenngleich für einem Blog, der "Asiatika-Ankauf" heißt, der Rekordzuschlag für eine Shakyamuni-Figur, feuervergoldete Bronze, mit Yongle-Marke (!), ein guter Einstieg ist, um auf die aktuelle Lage in China hinzuweisen. Zunächst: der Rekordpreis für die Figur lag bei über einer halben Million Euro - das traditionsreiche Auktionshaus Leo Spik in Berlin dürfte soetwas wohl nicht alle Tage erleben.
Aber was ist das Besondere an diesem Rekordzuschlag? - Er ist ein Zeichen der Überhitzung der chinesischen Wirtschaft.
Doch zunächst möchte ich im Kleinen anfangen, bevor gleich die ganze Wirtschaft überhitzen muss: Was sieht man in China? Was hört und liest man von China? Was steckt hinter der Meinung, dass die chinesische Konsumgesellschaft unsere Exporteure aus der Finanz- und Wirtschaftskrise gerettet haben? Die Antwort ist immer dieselbe: Konsum. Konsum. Konsum.
Die chinesische Gesellschaft ist in einer Konsumspirale gefangen, die Sie zu verbissenem, sinnlosem und zwanghaftem Konsum verdammt. Und davon profitiert gerade nicht der Großteil der Bevölkerung, denn der chinesische Otto-Normalverbraucher lebt im Schnitt weit unter dem Niveau, das nötig wäre, um mit der Teurungsrate mithalten zu können. Doch darüber möchte ich mich gar nicht auslassen, denn viel wichtiger ist der Punkt, dass die chinesische Gesellschaft dieser Entwicklung nicht folgen kann.
Der Konsumgesellschaft folgt keine Zivilgesellschaft. Dem ohrenbetäubenden Rauschen des Wirtschaftswachstums folgt keine gesellschaftliche Entwickllung, in der freie Menschen im Mittelpunkt stehen. Stattdessen folgt ein unglaublich aufwendiger Schwall an Regulierungen, der insbesondere vor dem Gebrauch neuer Technologien nicht zurück schreckt.
China fotografiert sämtliche ausreisenden Personen mir einer Webcam unter Zuordnung der Passnummer. In der Provinz, das hat mich wirklich geärgert, sind die Internetseiten Facebook, Xing, Twitter und Blogger einfach gesperrt! Da wundert man sich nicht, wenn Goolge großzügig eine von der chinesischen Regierung gesetzte Frist zur Beantragung eines Mapping-Dienstes (Google-Maps in China) verstreichen läßt, unter dem Hinweis, dass man damit beschäftigt sei, die Regulierungen zu studieren, um zu sehen, in welcher Weise der Service beeinträchtigt würde.
Man sollte diese Dinge nicht unter den Teppich kehren. Sondern, im Gegenteil muss man klar sagen, dass China seinen Bürgern die Chance und Möglichkeit verwehrt, eine freitliche Gesellschaft zu gründen, die Potentiale und Kreativität ungeahnten Ausmaßes hervorbringen könnte. Wenn Menschen Träume haben, Ideen verwirklichen möchten, sich selbst entwickeln und entfalten wollen, dann entstehen Potentiale, und manchmal auch große Erfindungen. Doch die Voraussetzungen dafür entstehen in der Politik und werden in der Gesellschaft gelebt. Schade also, dass China ein ignoranter Riesendrache ist, der vielleicht bereits aufgewacht ist, aber noch nicht wirklich in allen farben des Regenbogens lebt und strahlt. Stattdessen reguliert, konsumiert und investiert er - wenns sein muss mit Gewalt.
Die chinesische Bronzefigur bei Leo Spik ist in diesem Zusammenhang ein weiteres Puzzleteilchen in dem Bild, das die Wörter "Wirtschaft" und "Überhitzung" im Titel trägt. China ist nach wie vor ein Drahtseilakt, dessen Stabilität die Führung permanent regelt (reguliert). Es bleibt der Bevölkerung zu wünschen, dass die Transformation, die unweigerlich kommen wird, schmerzfrei sein wird.
Donnerstag, 31. März 2011
Sonntag, 13. März 2011
Das Kunstgutachten - Schwarzer Peter oder Joker im Vertrauens-Poker?
Mit Vertrauen spielt man nicht - sollte man jedenfalls nicht. Was aber, wenn eine Existenz, ein ganzer Berufsstand an diesem seidenen Faden des Vetrauens hängt?
Dann steht es am Ende Aussage gegen Aussage, Name gegen Name.
Die Gutachter für asiatische Kunst werden mir diesen kritischen Artikel wohl verzeihen, denn auch sie wünschen sich informierte und mündige Kunden, oder nicht? Ein professioneller Gutachter nimmt Geld für die Einschätzung einer asiatischen Antiquität. Dass dieser Bereich eine der am stärksten von Fälschungen und Plagiaten durchwachsenen Sparten im Kunsthandel überhaupt ist, wissen die Gutachter natürlich.
Aber was wissen die Kunden?
Kunde eines Gutachters wird jemand, der wissen möchte, wie die Sammlungsstücke, die Erbschaft und dergleichen zu datieren sind und worum es sich handelt. Wer nun einen professionellen Gutachter aufsucht, der ein zufriedenstellendes Urteil ausstellt, wähnt sich zunächst in Sicherheit. Der Kunde hält die paar hundert Euro Gutachterkosten solange für gut investiert, bis er merkt, dass im Kunsthandel kein Mensch das Gutachten anerkennt. Sei es ein Gutachten von einem vereidigten Gutachter oder ein wissenschaftliches Gutachten aus dem deutschsprachigen Raum - der professionelle Kunsthandel achtet allein auf das betreffende Objekt. So hart es klingen mag, aber in der überwiegenden Anzahl der Fälle, die ich durch Asiatika-Ankauf zu sehen bekam, war das Gutachten das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben stand.
Nur wie kommt es, dass eine Zunft von Menschen, die als Kunstgutachter ihr täglich Brot verdient, im Bereich der antiken asiatischen Kunst derart häufig völlige Fehlurteile ausstellt, die von keinem erfahrenen Experten weltweit anerkannt werden?
Die Antwort ist vermutlich einfacher, als man denken mag. Der Gutachter muss ja schließlich auch dann von etwas leben, wenn es mal keine authentischen Objekte zu begutachten gibt...
Was die asiatische Kunst betrifft, kann ich nur ganz eindeutig raten: Finger weg vom kostenpflichtigen Gutachten. Wissen und Expertise gibt´s auch kostenfrei, beispielsweise bei Asiatika-Ankauf.
Dann steht es am Ende Aussage gegen Aussage, Name gegen Name.
Die Gutachter für asiatische Kunst werden mir diesen kritischen Artikel wohl verzeihen, denn auch sie wünschen sich informierte und mündige Kunden, oder nicht? Ein professioneller Gutachter nimmt Geld für die Einschätzung einer asiatischen Antiquität. Dass dieser Bereich eine der am stärksten von Fälschungen und Plagiaten durchwachsenen Sparten im Kunsthandel überhaupt ist, wissen die Gutachter natürlich.
Aber was wissen die Kunden?
Kunde eines Gutachters wird jemand, der wissen möchte, wie die Sammlungsstücke, die Erbschaft und dergleichen zu datieren sind und worum es sich handelt. Wer nun einen professionellen Gutachter aufsucht, der ein zufriedenstellendes Urteil ausstellt, wähnt sich zunächst in Sicherheit. Der Kunde hält die paar hundert Euro Gutachterkosten solange für gut investiert, bis er merkt, dass im Kunsthandel kein Mensch das Gutachten anerkennt. Sei es ein Gutachten von einem vereidigten Gutachter oder ein wissenschaftliches Gutachten aus dem deutschsprachigen Raum - der professionelle Kunsthandel achtet allein auf das betreffende Objekt. So hart es klingen mag, aber in der überwiegenden Anzahl der Fälle, die ich durch Asiatika-Ankauf zu sehen bekam, war das Gutachten das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben stand.
Nur wie kommt es, dass eine Zunft von Menschen, die als Kunstgutachter ihr täglich Brot verdient, im Bereich der antiken asiatischen Kunst derart häufig völlige Fehlurteile ausstellt, die von keinem erfahrenen Experten weltweit anerkannt werden?
Die Antwort ist vermutlich einfacher, als man denken mag. Der Gutachter muss ja schließlich auch dann von etwas leben, wenn es mal keine authentischen Objekte zu begutachten gibt...
Was die asiatische Kunst betrifft, kann ich nur ganz eindeutig raten: Finger weg vom kostenpflichtigen Gutachten. Wissen und Expertise gibt´s auch kostenfrei, beispielsweise bei Asiatika-Ankauf.
Samstag, 12. März 2011
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