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Sonntag, 5. September 2010

Strukturelle Transformationen - die Rolle der Neuen Medien im Handel mit Asiatischer Kunst

Neue Technologien, neue Medien wie das Internet – aber auch globale wirtschaftliche Entwicklungen verändern den Kunstmarkt weltweit. Das ist in allen Bereichen spürbar: Die Auktionshäuser, die gehobenen Galerien, die Kunstmessen, und auch der einzelne Sammler oder Interessent verwendet heute immer mehr digitale Medien im Umgang mit Kunst.
Für kommendes Jahr beispielsweise ist eine Kunstmesse geplant, die erstmals ausschließlich im Internet stattfinden soll. Es gibt bereits reine Online-Auktionen auch von renommierten Häusern und nicht zuletzt setzten die Spitzengalerien im Bereich der Asiatischen Kunst auf hochwertige digitale Kataloge im PDF-Format, um die Aufmerksamkeit Ihrer Kunden zu gewinnen.
Das sah allein vor einem Jahrzehnt noch ganz anders aus. Der Bereich der antiken asiatischen Kunst stellt einen verhältnismäßig kleinen Nebenschauplatz im gesamten Kunstbetrieb dar. Doch die Veränderungen treffen hier in gleicher Weise zu und es mag sogar sein, dass durch die besondere Rolle Chinas die Internationalisierung in diesem Marktsegment besonders weit vorangeschritten ist.

Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, was für die Zukunft zu erwarten ist: Wie sieht der Handel mit antiker asiatischer Kunst in zehn Jahren aus?
Mit welchen Veränderungen können wir rechnen?

Um diese Fragen zu beantworten, ist es wichtig, die Struktur des Markts für antike asiatische Kunst einmal grundsätzlich zu betrachten. Das ist zwar viel zu umfangreich für diesen Beitrag, doch möchte ich einige Aspekte hervorheben:

Die Tatsache, dass wir in den entwickelten Ländern, hier in Deutschland, in Europa und den USA überhaupt derart umfangreiche Sammlungen asiatischer Kunst in unseren Museen und in privatem Besitz haben, geht auf die Geschichte des späten 19.Jhdts zurück. Für die Asiatische Kunst heutzutage gilt immer noch, dass wir im "Westen" von den historischen Ereignissen profitieren, von einer Zeit, in der zahllose Objekte aus den asiatischen Ländern ausgeführt wurden, darunter auch hochwertige Kulturgüter, Ausgrabungsstücke, Objekte, deren kultureller Wert nicht bezifferbar ist.
Gerade im Falle Chinas ist das besonders deutlich. Die hiesigen Auktionshäuser und übrigen Marktteilnehmer profitieren sogar doppelt: Zum einen sind hierzulande aufgrund der historischen Bedingungen immer noch hochwertige antike Kunstobjekte aus Chinas vorhanden. Und zum anderen zahlen chinesische Sammler hohe Preise, die sie aufgrund der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung Chinas bieten können.
Selbstverständlich hat das chinesische Wirtschaftswachstum nicht nur finanzkräftige chinesische Sammler hervorgebracht, sondern auch einen ganzen Markt für antike chinesische Kunst geschaffen. Das zeigen die jungen Auktionshäuser in China. Namen wie Hanhai, Guardian, Poly Auction und dergleichen, gab es vor zwanzig Jahren noch nicht - wenngleich sie inzwischen Milliionenumsätze schreiben.

In den 90er-Jahren verwendeten Auktionshäuser, die zu den größten der Branche zählten, Kataloge, in denen noch nicht mal alle Objekte abgebildet waren, und schon garn nicht vollständig in Farbe. Das mag das ein oder andere Haus heute zwar immernoch so halten, aber in den meisten Fällen haben doch deutliche Entwicklungen stattgefunden.
Sie können heute den kompletten Katalog im Internet einsehen. Zu den Highlights der Auktion werden Videos veröffentlicht, und sie können über die Objekte weltweit recherchieren, sofern Sie sich die Mühe machen möchten. Einige der großen Häuser haben beispielsweise frei zugängliche Archive, in denen Sie nach vergleichbaren Objekten suchen können. Kostenlos, im Internet.

Und das ist gerade mal der Ist-Zustand - und noch keine Zukunftsvision.

Wenn man die genannten Punkte zusammenfasst, also die historischen Bedingungen, die Internationalisierung, die wirtschaftliche Entwicklung sowie die technologische und mediale Entwicklung, dann muss man sagen: Diese Bedingungen sind enorme Markttreiber!
Allein diese genannten Punkte sprechen dafür, dass der Markt für antike asiatische Kunst weiter wächst – ganz unabhängig von Trends und Vorlieben der Sammler.

Wohin führt diese Entwicklung? Was kann man in Zukunft erwarten?

Ich habe in einigen Stichworten die Kernaspekte genannt, die meiner Meinung nach den Kunstmarkt im Bereich Asiatischer Kunst am meisten beeinflussen. Es ist deutlich zu sehen, dass heute eine völlig neue Situation entsteht. Die Neuen Technologien heben den Marktteilnehmer, der früher regional orientiert war, nun in ein internationales Umfeld. Die Verwendung des Internet führt zu einer weiteren, einfacheren Vernetzung und auch zu mehr Transparenz im Kunstbereich.

Daher ist zu erwarten, dass es immer mehr innovative Akteure im Kunstbereich geben wird, die mit Hilfe der vorhandenen und immer weiter entwickelten Technologien neue Möglichkeiten im Kunsthandel eröffnen.
Asiatika-Ankauf ist ein Beispiel für einen derartigen Marktteilnehmer. Hier wird jedem, der ein antikes Objekt der chinesischen oder allgemein asiatischen Kunst besitzt, die Möglichkeit geboten, dieses Objekt oder die Sammlung innerhalb eines Netzwerks übergreifend bewerten zu lassen bzw. verschiedene Varianten für den bestmöglichen Verkauf zu prüfen.
Ich bin jedoch überzeugt, dass innerhalb absehbarer Zeit weitere und immer neue Akteure aufreteten werden, die den Kunsthandel und das Internet miteinander verbinden.