Seit einigen Jahren wird eine Diskussion geführt, wie die neuen Technologien den Kunsthandel verändern. Vor wenigen Jahren war die Meinung noch stark verbreitet, dass sich Kunst nicht in digitaler, elektronischer Form bewerten oder verkaufen ließe. Inzwischen gehören elektronische Kataloge zur Standartausrüstung sämtlicher großen Auktionshäuser. Die Digitalisierung hat den Kunsthandel voll erreicht. Es werden heutzutage von den einschlägigen Galerien Kataloge in PDF-Format präsentiert und Objekte werden international anhand von digitalem Bildmaterial begutachtet. Es mag seltsam klingen, doch werden tatsächlich Objekte im Wert von Einfamilienhäusern allein auf Grundlage von digitalen Abbildungen gekauft (bzw. wird das Geschäft dazu digital angebahnt).
Der Bereich Antike Asiatische Kunst oder Fine Asian Arts profitiert als ein Spezialgebiet im Kunsthandel von den technischen Entwicklungen, die für die umsatzstarken Bereiche Malerei und zeitgenössische Kunst entwickelt werden. Manch einem mag die Digitalisierung des Kunsthandels und die damit verbundene weltweite Vernetzung gespenstisch vorkommen.
Denn nach wie vor gilt, dass man ein Kunstobjekt anfassen, spüren und mit allen Sinnen wahrnehmen muss, um es zu beurteilen. Die Digitalisierung im Kunstmarkt hat zahlreiche Auswirkungen. Dieser strukturelle Wandel ist noch nicht vollständig abzusehen, doch sollen an dieser Stelle einige wesentliche Veränderungen genannt werden, die sich auf den Bereich der Antiken Asiatischen Kunst beziehen:
1.Die Verwendung von digitalen Abbildungen der Objekte als Grundlage für die Bewertung wird von Experten genauso wie von Sammler und Interessenten zunehmend akzeptiert und angewandt.
2.Durch die elektronischen Medien ist die internationale Vernetzung soweit gewachsen, dass selbst kleine, unbekannte Marktteilnehmer mit ihren Objekten ein internationales Publikum erreichen können (vorausgesetzt es handelt sich herausragende Stücke).
3.Im Kunst-Umfeld etablieren sich zunehmend Datenbanken und Serviceangebote, welche Kunstobjekte im Wert messbar und objektiv bewertbar machen sollen. Für die antike asiatische Kunst ist das zwar äußerst schwierig, doch gilt der folgende Trend auch hier: Kunstobjekte sollen heutzutage auch für den Laien bewertbar gemacht werden. Damit möchte man den Ruf der Intransparenz und Undurchsichtigkeit im Kunsthandel ablegen.
Diese Entwicklung führt von der Notwendigkeit weg, eigenes Fachwissen zu erlangen, die in den vergangenen Jahrzehnten noch stark im Vordergrund stand, dahin, eine sinnvolle Kaufentscheidung auch ohne Fachwissen treffen zu können. In letzterem Fall zählen für die Käufer/Sammler vorwiegend die Aspekte der Ästhetik, Wertanlage, Investment, Lifestyle etc. Dieser Trend ist auch im Bereich der antiken asiatischen Kunst zu sehen, wenngleich hier weitaus weniger Daten verfügbar sind als etwa in der Malerei.
4.Der Punkt drei führt zu einem Wachstum des Marktes. Das läßt sich an den großen Kunstgebieten (Moderne, Zeitgenössische etc.) sehr gut erkennen. Wie in der zeitgenössischen Kunst ist auch im Bereich der antiken Asiatischen Kunst das chinesische Wirtschaftswachstum ein außergewöhnlich starker Motor für die Marktentwicklung. Der weltweite Kunstumsatz verdoppelte sich allein zwischen 2003 und 2008. Seit 2006 nahm der Handel mit Kunst allein in Hongkong um fast das 30ig-fache zu. Die ehemalige britische Kolonialstadt macht heute mehr als 40% des chinesischen Kunsthandels aus.
Die oben genannten Punkte verdeutlichen, dass sich die antike asiatische Kunst in einem völlig anderen Umfeld bewegt, als noch vor zehn Jahren. Sehr positiv ist, dass die Digitalisierung letztlich einen Beitrag zum Marktwachstum leistet. Es können sich also alle Sammler antiker chinesischer Kunst freuen, denn für viele Sammelgebiete steigen die Preise offensichtlich weiter.
Doch es wird auch deutlich, dass spezifische Reaktionen erforderlich sind, um dem Wandel gerecht zu werden. Asiatika-Ankauf leistet hier einen wesentlichen Beitrag. Denn jeder, der ein Objekt verkaufen möchte, sei es als Sammler oder als Erbe, benötigt eine zunehmend starke Vernetzung mit den Experten. Es reicht nicht, allein den Fachhändler zu fragen oder ein Auktionshaus zu kontaktieren. Der Markt ist international geworden lebt zunehmend von einer globalen, weltweiten Nachfrage.