Ich danke für die anregenden Fragen bzgl. des Themas "Authentizität und Fälschung"!
Selbstverständlich reicht die unten geäußerte Kritik am "Glauben" an die TL-Methode noch weiter, denn es geht gerade auch bei antiken Kunstobjekten um Geschmack, Trends, um Gefallen und um den Glauben an die Objekte. Unzählige Objekte werden rafiniert restauriert, Einzelheiten erneuert oder gar ausgetauscht, einzelne Stellen nachpatiniert usw. all dies sieht oft nicht einmal das geschulte Auge. Im Grunde handelt es oft um reine Schönheitsoperationen an den Objekten.
Die folgenden Fragen aus einem Schreiben deuten zurecht auf den Kern dieser Problematik: "Wann ist ein Objekt noch konserviert, restauriert oder für den Kunstmarkt „zum Wohlgefallen des Käufers“ wieder im nahezu Originalzustand wiederhergestellt? Wieviel Prozent eines Objektes dürfen ergänzt oder restauriert sein?
Welche neuen Restaurierungsmethoden gibt es?"
Das sind äußerst spannende Fragen, die zugleich ein kritisches Licht auf den Kunstmarkt werfen. Ich möchte folgendes Beispiel anführen: Ich hatte eine sehr schöne, blaugrundige, mit Gold bemalte Porzellanvase aus der Guangxu-Zeit. Auf der Innenseite befand sich an der Lippe ein Haarriss. Dieser wurde, als die Vase in eine Auktion kam, mit Laser gesäubert, und anschließend mit einer besonderen Masse gefüllt. Man konnte ihn hinterher weder mit bloßem Auge sehen noch fühlen. Selbstverständlich hätte er den Klang einer Porzellanschale immernoch gestört, doch es war eine Vase, daher stellte sich dieses Problem nicht.
Es stellt sich die Frage: Macht es für uns als Käufer wirklich einen so großen Unterschied, ob man den Haarriss sieht oder aufgrund der modernen Restauration nicht mehr bemerkt? Gefällt die Vase jetzt besser? Oder gefällt Sie uns sogar weniger, sobald wir von der Restauration erfahren?
Mir persönlich wäre in diesem Fall der unrestaurierte Zustand lieber - doch es gibt eben auch Fälle, bei denen eine Restauration unerläßlich ist.