Asian Art Blog - Museums Galleries Fairs Sales Education & People

Dienstag, 9. Februar 2010

Buddhistische Skulptur – Religion oder Kunst?

Für Kunstliebhaber und Freunde der buddhistischen Kunst sind antike Buddhafiguren beliebte und begehrte Sammelobjekte.

Für Buddhisten hingegen sind es religiöse Objekte. Deshalb werden Buddhafiguren z.B. im Gesicht bemalt und für den Hausaltar mit einem Tuch geschmückt oder in ein Gewand gehüllt. Ein Altarbuddha verkörpert den „Körper“ Buddhas – und dieser ist gleichbedeutend mit der Lehre des Buddhismus. Aus den Gründen der religiösen Verehrung gibt es schließlich auch „Reisebuddhas“ oder kleine „Reiseschreine“, in denen eine Buddhafigur sitzt.
Viele Buddhisten unterscheiden nicht zwischen antiken und neuen Buddhas. Für den religiösen Gebrauch zählt allein die Integrität. Eine antike Buddhafigur verliert ihre religiöse Integrität jedoch, wenn die Bodenplatte geöffnet wird. Selbst in den kleineren Buddhas, die in tibetischen und nepalesischen Stupas und Tempeln aufgestellt wurden und werden, befinden sich in der Regel kleine Schriftstücke mit religiösem Text. Gold bzw. Edelstein wurde von den Plünderern des 19.Jh zwar in den Buddhafiguren gesucht, befindet sich in der Regel jedoch nur in bedeutenderen Tempelbuddhas.

Eine antike buddhistische Figur erhält durch den religiösen Gebrauch einen besonderen „Wert“, wenn man das so nennen will. Beispielsweise wissen viele Sammler die Patina sehr zu schätzen bzw. die Stelle, an welcher die Figur täglich von den Gläubigen berührt wurde. Aber gerade bei buddhistischen Skulpturen aus Tempeln ist es sehr schön, wenn sie perfekt erhalten sind. Daran sieht man, dass es zu jeder Zeit Menschen gab, die sich um die Figur gekümmert haben und ihr Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Im Kunsthandel sieht das manchmal anders aus. Für Sammlungen buddhistischer Kunst mögen auch Buddhafiguren ohne Bodenplatte interessant sein, sofern sie antik sind. Doch die entscheidende Frage ist: Wo kommen die zahlreichen antiken Buddhafiguren her und wie wurden sie aus Tempeln und Stupas in Tibet, Nepal und China oder anderen buddhistischen Ländern heraus gebracht?
Einige der Figuren, die sich heute in privaten Sammlungen und auch in Museen befinden, wurden schlicht gewaltsam entwendet – man spricht von Kulturgüterraub. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen Nicht-Buddhisten einzelne Figuren mit Absicht beschädigt haben, z.B. durch umstoßen, um so in die Gelegenheit zu kommen, sie den Mönchen abkaufen zu können.

Es gibt also sehr große Unterschiede zwischen dem Blickwinkel „antike buddhistische Skulpturen als Kunstobjekte“ und „Buddhafiguren als religiöse Objekte“. Selbstverständlich hat beides seine Berechtigung.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Schreiben Sie Ihre Meinung!
(Auch wenn Sie nicht allen passen wird.)