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Montag, 28. Februar 2011

Chinesisches Jade-Siegel aus der Verbotenen Stadt


Vor einigen Wochen fragte uns ein Herr nach unserer Meinung über ein chinesisches Siegel, das ihm vererbt worden war. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein ganz besonderes Siegel aus grüner Jade, das mit einer außergewöhnlichen Provenienz verbunden war. Es stammte aus der Verboten Stadt in der Kaiserlichen Palastanlage in Peking und war für den Gebrauch durch die Kaiserinmutter Ci Xi (Empress Dowager) bestimmt.

Da diese Information selbstverständlich seriöser Verifizierung bedarf, machten wir uns persönlich ein Bild von der Sache. Und hierbei zeigte eine beeindruckende historische Dimension dieses Siegels.
Im Jahr 1900 kam es zum Einmarsch von insgesamt acht ausländischen Mächten in Peking, dem damaligen Zentrum der mandschurischen Qing-Dynastie. Die umfangreiche Eroberung der Hauptstadt des chinesischen Reiches war ein Höhepunkt in einer dramatischen Umwälzung, die mit dem Namen „Boxeraufstand“ verbunden wird. Dass es damals zu ausschweifenden, weitgehenden und rücksichtslosen Plünderungen von Kunst- und Kulturgütern kam, ist allgemein bekannt. Etwas ausführlicher wird dieses Thema HIER behandelt.

Das Siegel aus grüner Jade gelangte in die Hände eines preußischen Marineoffiziers und Arztes, der auch nach 1900 noch einige Jahre in der Region zwischen Peking und Jiaozhou blieb. Bei diesem Arzt handelte es sich um den Großvater des heutigen Besitzers. Es ist davon auszugehen, dass er es als Gegenleistung bzw. als Dankeschön für seine Dienste als Arzt erhalten habe und dass ihm selbst wohl nicht bewusst war, woher es stammte. Wer sich mit den Plünderungen von Kulturgütern in Peking 1900 beschäftigt, der kann bestätigen, dass im fraglichen Zeitraum zahlreiche Gegenstände aus der Kaiserstadt verschwanden. In der Literatur finden sich Berichte, dass sogar Tunnel unter den Mauern gegraben worden sind, um regelmäßige, nächtlich stattfindende „Beutetouren“ zu veranstalten.

Welchen Weg aber nahm dieses Siegel zwischen 1900 und 2011? Wie kommt es, dass es heute noch, oder erst heute, wieder auftaucht?

Zu diesen Fragen findet sich umfangreiches Material, welches vom heutigen Besitzer zusammengetragen wurde. Dazu zählen beispielsweise Briefe des damaligen Marinearztes sowie Unterlagen eines Museums der DDR – es handelt sich nicht nur um die Geschichte eines Kulturguts, das aus dem Zentrum des ehemaligen chinesischen Reiches hinaus gelangte und in den Westen gebracht wurde, sondern gleichzeitig ist es auch eine deutsch-deutsche Geschichte, die ein Schlaglicht auf den Umgang mit Kulturgütern und das Thema von Besitzansprüchen nach dem Mauerfall wirft.

Zudem ist es eine Geschichte über Extreme im internationalen Kunsthandel. Denn nun wird das Siegel in den Verkauf kommen und so wieder den Weg zurück nach China finden. Ob es in den Händen eines Privatsammlers landet oder ob es jemals in einem Museum für die Öffentlichkeit zu sehen sein wird, wissen wir nicht. In jedem Fall ist es heute ein weitgereistes Kulturgut, das mehr als ein Jahrhundert in Europa durchgemacht hat. Dieser Hintergrund macht das Siegel weitaus spannender, als die Tatsache, dass es für Kaiserin Dowager gefertigt worden war. Selbstverständlich ist es wichtig, dass diese Informationen und vorhandenen Dokumente beim Verkauf nicht verloren gehen.

Für uns selbst ist diese Geschichte schlicht und einfach ein Stück Leidenschaft. Schließlich kennen wir die historische Dimension eines solchen Objekts - und das ist nicht zuletzt mit ein Grund dafür, warum es Asiatika-Ankauf.de gibt.