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Donnerstag, 6. Januar 2011

Art und Investment

Derzeit liest man häufig in der Presse, dass in 2010 weltweit die Preise für Kunst so hoch waren, wie nie zuvor. Die Medien berichten vielerorts von neuen Rekordpreisen, vom Boom im Kunstmarkt, von erfolgreichen Kunstfonds und einer neuen Lust an Kunst. Insbesondere die Kunstmessen werden sehr positiv hervorgehoben. Neue Besucherrekorde bescheren den Ausstellern Spitzenerlöse, während in vielen Teilen der Welt neue Kunstmessen aus dem Boden schießen.

Von dieser positiven Grundstimung sollte man sich jedoch nicht unkritisch blenden lassen. Beim Kauf von Kunst geht es immer darum, ob einem das entsprechende Objekt bzw. Werk gefällt oder nicht. Zwar ist das leichter zu sagen, wenn man Gemälde sammelt, als bei antiker Kunst aus China. Doch auch hier ist wichtig, dass man einen Bezug zum Objekt hat und nicht einfach etwas sammelt, weil es exotisch ist, weil es in einer tollen Galerie ausgestellt war oder weil es antik ist.

Daher unterscheidet sich eine Investition in (antike) Kunstobjekte grundsätzlich von herkömmlichen Investitionsarten wie z.B. in Aktien oder Fonds. Wer Geld in Kunst anlegen möchte, der sollte mehr wollen als bloß eine Geldanlage. Es gibt inzwischen auch auf dem Gebiet der antiken Kunst aus China einige Anbieter von Fonds. Diese Investieren in hochpreisige Objekte, deren Qualität außer Frage steht. Die Wachstumsraten dieser Fonds sind deshalb so hoch, weil in den letzten Jahren die wirtschaftliche Entwicklung Chinas viel Kapital freigesetzt hat, mit dem chinesische Sammler und professionelle Händler begehrte Kulturobjekte weltweit erwerben konnten. Doch man sollte nicht vergessen, dass der Erfolg von Fonds, die in antike Kunst investieren, von einer Vielzahl ungewisser Faktoren abhängig ist. Dementsprechend ist es trotz gutem Trend im Kunsthandel immer noch angebracht, dem Rat der Finanzexperten zu folgen und nur einen geringen Anteil des verfügbaren Kapitals in Kunst anzulegen. Wer dies tut, kann jedoch auch direkt besondere Objekte der antiken Kunst erwerben. So hat man wenigsten ein schönes Stück zu Hause, an dem man sich erfreuen kann.

Die Reden von Rekordpreisen sollte man indes mit etwas Gelassenheit betrachten. Es sind in der Regel stets einzelne Spitzen-Objekte, deren Rekordererlöse keinesfalls die gesamte Marktentwicklung widerspiegeln. Tausende und abertausende an antiken Objekten im dreistelligen oder unteren vierstelligen Bereich werden jährlich weltweit gehandelt, und doch werden sie in kaum einer Schrift oder einem Auktionsbericht erwähnt. Hier gilt wohl die alte Regel aus der Astronomie: Bei zuviel Licht sieht man die vielen, vielen Sterne nicht.